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vDHd2021 – Veranstaltung: Kontrastive Analysen historischer Textkorpora als Instrument für die historisch arbeitenden Wissenschaften? (07.07.2021, 10h00-12h00 (MEZ))

dhd-blog - Mi, 06/30/2021 - 17:06
Datum: 07.07.2021, 10h00-12h00 (MEZ) Organisiert von: Jörg Hörnschemeyer (DHI Rom), Jan Rohden (Geschäftsstelle der Max Weber Stiftung)

Hinweis: Diese Veranstaltung ist Teil des Beitrags Virtuelle Reise: Digital Humanities in der Max Weber Stiftung.

Die kontrastive Analyse von Texten oder Textgruppen ist in den Sprach- und Literaturwissenschaften ein beliebtes Verfahren, das vor allem im Rahmen der Stilometrie sehr erfolgreich eingesetzt wird. Die Methode hat in den letzten Jahren einen regelrechten Aufschwung erfahren, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Durchführung stilometrischer Analysen dank frei verfügbarer Tools heutzutage auch ohne vertiefte Programmierkenntnisse möglich ist. Dies hat dazu geführt, dass stilometrische Anaylsen mittlerweile auch außerhalb von literatur- und sprachwissenschaftlichen Fragestellungen durchgeführt werden, etwa in der Kunstgeschichte oder den Musikwissenschaften.

Die Veranstaltung möchte sich der Frage nähern, inwieweit stilometrische Methoden, die in der Computerphilologie z.B. bei der Autorschaftsattribution oder für stilistische Gattungsvergleiche eingesetzt werden, auch für die Geschichtswissenschaften nutzbar gemacht werden können. Exemplarisch sollen dabei Datensammlungen aus dem Forschungskontext des DHI Rom untersucht werden.

Eine Frage, der die Veranstaltung dabei auf den Grund gehen möchte, ist die im Vergleich zur Literaturwissenschaft veränderte Ausgangssituation historischer Textgattungen. Welche Parameter sind bei der Verwendung stilometrischer Methoden zur Analyse historischer Textkorpora besonders zu berücksichtigen? Sind das z.B. die Anzahl der Textdokumente, die Länge der Texte, die zu vergleichenden Textmerkmale oder auch die Auswahl des „richtigen“ Distanzmaßes?

Die kontrastive Analyse von Texten oder Textgruppen ist in den Sprach- und Literaturwissenschaften ein beliebtes Verfahren, das vor allem im Rahmen der Stilometrie sehr erfolgreich eingesetzt wird. Die Methode hat in den letzten Jahren einen regelrechten Aufschwung erfahren, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Durchführung stilometrischer Analysen dank frei verfügbarer Tools heutzutage auch ohne vertiefte Programmierkenntnisse möglich ist. Dies hat dazu geführt, dass stilometrische Anaylsen mittlerweile auch außerhalb von literatur- und sprachwissenschaftlichen Fragestellungen durchgeführt werden, etwa in der Kunstgeschichte oder den Musikwissenschaften.

Die Veranstaltung möchte sich der Frage nähern, inwieweit stilometrische Methoden, die in der Computerphilologie z.B. bei der Autorschaftsattribution oder für stilistische Gattungsvergleiche eingesetzt werden, auch für die Geschichtswissenschaften nutzbar gemacht werden können. Exemplarisch sollen dabei Datensammlungen aus dem Forschungskontext des DHI Rom untersucht werden.

Eine Frage, der die Veranstaltung dabei auf den Grund gehen möchte, ist die im Vergleich zur Literaturwissenschaft veränderte Ausgangssituation historischer Textgattungen. Welche Parameter sind bei der Verwendung stilometrischer Methoden zur Analyse historischer Textkorpora besonders zu berücksichtigen? Sind das z.B. die Anzahl der Textdokumente, die Länge der Texte, die zu vergleichenden Textmerkmale oder auch die Auswahl des „richtigen“ Distanzmaßes?

Die Veranstaltung ist insofern als experimentell zu verstehen, als sie keine fertigen Antworten liefert, sondern vielmehr dazu motivieren möchte, gemeinsam solche Fragen zu diskutieren.

Eine Anmeldung ist bis zum 04.07.2021 unter dem folgenden Link möglich: https://survey3.gwdg.de/index.php?r=survey/index&sid=919213&lang=en

Eine Archäologie politischer Begrifflichkeiten: Die Website „Corpus of Russian Translations“

dhd-blog - Di, 06/29/2021 - 15:44
von Mirjam Bremer

Woher stammt das politische Vokabular, das bis heute in der russischen Sprache zu finden ist? Um diese Frage drehte sich der erste Halt der virtuellen Reise durch die Digital Humanities in der Max Weber Stiftung am Deutschen Historischen Institut in Moskau. Vladislav Rjéoutski stellte die Datenbank und Website „Corpus of Russian Translations“ (Корпус русских переводов) vor. Das seit 2016 laufende Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, zur Erforschung der Geschichte politischer Begriffe und damit einer Archäologie politischer Konzepte im Russland des 18. Jahrhundert beizutragen, einer Zeit, zu der es im Russischen Reich noch kein ausgeprägtes politisches Vokabular gab. Durch die zunehmende Übersetzung von politischen Texten aus französischer, deutscher oder lateinischer Sprache ins Russische änderte sich dies: Die Übersetzungen bzw. die Übersetzer brachten neue Begriffe und damit auch politische Ideen nach Russland und veränderten die Gesellschaft nachhaltig. Die Datenbank bildet diesen Wandel ab, indem sie politische Texte sammelt, die im 18. Jahrhundert ins Russische übersetzt und veröffentlicht wurden. Mithilfe der Suchfunktion können Original und Übersetzung in Auszügen gegenübergestellt werden, so dass für die Lesenden nachvollziehbar wird, wie die politischen Konzepte in die russische Sprache übertragen wurden. Die umfassende Datenbank von Übersetzungen aus dem 18. Jahrhundert bildet die Grundlage des Projekts. Weiterhin veranschaulicht die Website mithilfe eines Glossars, auf welche Weise politische Schlüsselbegriffe übersetzt wurden. Welche russischen Entsprechungen fand man zum Beispiel für das deutsche Wort Macht, das französische société oder das englische sovereign? Mit der Auswahl eines Begriffes bekommt man alle Textauszüge aufgelistet, in denen ebendieser Begriff vorkommt. Die Auszüge werden chronologisch geordnet und geben einen Einblick, wie die Übersetzer Begriffe auf unterschiedliche Weise ins Russische übertrugen und wie sich die Wortwahl im Verlauf der Zeit änderte. Die Website zeigt außerdem Graphen und Statistiken, welche die Geschichte der Übersetzung und Veröffentlichung von Werken in Russland im 18. Jahrhundert greifbar machen. Aus welchen Sprachen wurden die meisten Werke ins Russische übersetzt? Oder warum stieg zum Beispiel ab den 1780er Jahren die Zahl der veröffentlichten Übersetzungen stark an? Auch bei der Erforschung solcher Aspekte kann das Projekt helfen.

In der anschließenden Diskussion ging es um die möglichen Nutzungsweisen der Website. Auch wenn die Datenbank noch im Aufbau ist, werden laufend neue Übersetzungen und Textauszüge eingefügt. Sie besitzt damit großes Potenzial, die Geschichte einzelner Begriffe oder politischer Konzepte und ihren Weg nach Russland nachzuvollziehen. Außerdem kann sie in den größeren Kontext der europäischen Wissensgeschichte und Wissenstransfers eingebettet werden. Nicht nur deshalb stellt „Corpus of Russian Translations“ ein gutes Beispiel für die gewinnbringenden Möglichkeiten der Digital Humanities dar und wird eine Reihe von (internationalen) Forschungsvorhaben bereichern.

Besuchen Sie gerne die Website unter folgendem Link: www.krp.dhi-moskau.org (oder schauen Sie sich den Veranstaltungsmitschnitt noch einmal hier an: https://www.youtube.com/watch?v=hJpcV-_ctS0)

Stellungnahme des DHd-Verbands zur Befristungspraxis an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland

dhd-blog - Mo, 06/28/2021 - 10:22

Der Vorstand des DHd-Verbands, dem Wissenschaftler:innen auf befristeten ebenso wie auf unbefristeten Stellen angehören, möchte mit der vorliegenden Stellungnahme Position in der aktuellen Diskussion um das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) in Deutschland beziehen. Die Situation in Österreich, der Schweiz und Luxemburg ist zwar aktuell weniger im Fokus der Aufmerksamkeit, sie ist allerdings auch nicht grundsätzlich anders gelagert.

Die Wissenschaftler:innen, die an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen auf befristeten Stellen arbeiten, leisten unter den in verschiedener Hinsicht belastenden Bedingungen des WissZeitVG hervorragende Arbeit und sind eine tragende Säule in Forschung, Lehre, Wissenstransfer und Selbstverwaltung an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Sie verdienen bessere Rahmenbedingungen.

Die betroffenen Wissenschaftler:innen und ihre Anliegen müssen von Einrichtungsleitungen, Landes- und Bundesministerien gehört werden. Teils seit Langem vorliegende Lösungsansätze müssen sachorientiert und offen diskutiert werden. So muss etwa das in Deutschland greifende WissZeitVG grundlegend reformiert werden, um die Arbeitsbedingungen für die Wissenschaftler:innen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandortes, und die Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit von Forschung, Lehre, Wissenstransfer sowie Selbstverwaltung an den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu verbessern.

Die vollständige Stellungnahme zum WissZeitVG finden Sie auf den Seiten des DHd-Verbands.
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Der Vorstand des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd-Verband)

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