DHd Newsfeed

Veranstaltung: Digital Humanities-Kolloquium an der BBAW

dhd-blog - Di, 06/27/2017 - 14:56

Die „Digital Humanities“ sind eine der wichtigsten Entwicklungen im Bereich der Geisteswissenschaften in den letzten zehn Jahren. Die zunehmende Verfügbarkeit digitaler Quellen und Werkzeuge zu deren Auswertung beeinflusst die geisteswissenschaftliche Forschung maßgeblich. Als größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung im Bereich der Geisteswissenschaften im Raum Berlin/Brandenburg stellt dieser Paradigmenwechsel auch für die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) eine große Herausforderung dar. Unter anderem mit der TELOTA-Initiative, dem Infrastrukturprojekt CLARIN-D, dem Projekt „Deutsches Textarchiv“ (DTA), dem Langzeitvorhaben „Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache“ (DWDS) sowie der Mitgliedschaft im Forschungsverbund if|DH|b hat die BBAW diese Herausforderung angenommen und unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktiv beim Einsatz digitaler Methoden in der geisteswissenschaftlichen Forschung.

Um den interdisziplinären Dialog zum Thema „Digital Humanities“ weiter zu intensivieren, möchte Sie die BBAW recht herzlich zu einer neuen Veranstaltungsreihe — dem „‚Digital Humanities‘-Kolloquium“ — einladen. Innerhalb dieses Kolloquiums wird der Fokus insbesondere auf praxisnahen Themen und konkreten Anwendungsbeispielen digitaler geisteswissenschaftlicher Forschung liegen und dabei auch von „Hands-on-Sessions“ begleitet werden.

Das Kolloquium wird immer am ersten Freitag eines Monats von 17 bis 19 Uhr c.t. stattfinden. Die Auftaktveranstaltung findet am 7.7.2017 im Hauptgebäude der BBAW (Jägerstr. 22/23, 10117 Berlin), Raum 230, statt. Der Hauptvortrag befasst sich mit dem Thema „Kodierung von Metadaten digitaler Briefeditionen in TEI-XML“ und wird von Stefan Dumont (BBAW, TELOTA-Initiative, http://www.bbaw.de/die-akademie/mitarbeiter/dumont) gehalten.

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, möchten wir Sie um Anmeldung bis zum 5.7.2017 per E-Mail unter bitten. Wir möchten Sie auch auf den sich anschließenden „Digital Humanities“-Stammtisch hinweisen, bei dem die hoffentlich fruchtbaren Diskussionen in formloser Atmosphäre fortgesetzt werden können.

Stellenausschreibung: Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in an der BBAW

dhd-blog - Di, 06/27/2017 - 14:42

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) sucht für die Initiative TELOTA  zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine wissenschaftliche Mitarbeiterin / einen wissenschaftlichen Mitarbeiter mit Erfahrungen in den Digital Humanities.

Die Stelle hat den Umfang von 50% der tariflichen Regelarbeitszeit und ist befristet bis zum 31.12.2018.

Den vollständigen Ausschreibungstext finden Sie in der Stellenausschreibung.
Die Bewerbungsfrist endet am 16.7.2017.

Wissenschaftliche/r Projektmitarbeiter/in (Diplomatik/Digital Humanities), Universität Graz

dhd-blog - Do, 06/22/2017 - 16:26

Das Zentrum für Informationsmodellierung – Austrian Centre for Digital Humanities sucht eine/n

Wissenschaftliche/n Projektmitarbeiter/in mit Doktorat (Diplomatik/Digital Humanities)
(30 Stunden/Woche; befristet auf 2 Jahre; zu besetzen ab 01. September 2017)

Das FWF-Projekt „Retain Domain Specific Functionalities in a Generic Repository with Humanities Data“ (ORD-84 VO) arbeitet an der Schnittstelle von Geschichtswissenschaften und Informatik. Es erforscht, wie die Daten aus der kollaborativen Forschungsumgebung monasterium.net in einem langzeitorientierten Datenarchiv gespeichert werden können. Das Projekt entwickelt Formate und Workflows zur Übernahme und Präsentation der Daten im Geisteswissenschaftlichen Asset Management System (GAMS) der Universität Graz. Das Projekt wird realisiert von einem der österreichweit führenden DH-Zentren mit einer reichen Erfahrung im Bereich X-Technologien, Digitalen Archiven und Webanwendungsentwicklung. Das Team steht der/dem erfolgreichen Bewerber/in hilfreich zur Seite.

Ihr Aufgabengebiet

  • Datenmodellierung (in XML/TEI und RDF)
  • Projektpräsentationen auf Konferenzen
  • Projektkoordination
  • Entwicklung von Präsentationsoberflächen und Suchinterfaces mit XSLT, HTML, CSS und JavaScript (wünschenswert)

Ihr Profil

  • Erfahrungen in Diplomatik
  • Erfahrungen in Digital Humanities (insb. X-Technologien)
  • Dissertation im Bereich der Diplomatik oder den Digital Humanities (wünschenswert)
  • Fähigkeit zur wissenschaftlichen Kommunikation auf Englisch

Ende der Bewerbungsfrist: 2. August 2017
Genauere Informationen zur Stelle und den Bewerbungsmodalitäten finden Sie hier:
http://jobs.uni-graz.at/de/MB/123/99/3625

 

Call for Abstracts: Workshop „Desktop oder App – Smarte Zugänge zu hypermedialen Sprachauskunftssystemen“

dhd-blog - Di, 06/20/2017 - 15:00

Hypermediale Sprachauskunftssysteme sind logisch strukturierte Informationsangebote im Internet, mit deren Hilfe sich Fakten und Zusammenhänge über natürliche Sprache zunächst speichern und anschließend einem breiten Nutzerkreis zur Verfügung stellen lassen. Eine wesentliche Motivation entspringt der Vision von einem zentralen Informations-Repository, das digitale, hypertextuell oder in einer Datenbank organisierte Inhalte multifunktional nutzbar machen kann. Populär ist in diesem Zusammenhang der Leitsatz „Write once, publish anywhere“, der das Bestreben hervorhebt, einmal niedergeschriebenes Wissen bei Bedarf ohne umfangreiche manuelle Nachbearbeitung für unterschiedliche Publikationskanäle zu verwenden. Ferner steht die Ausrichtung auf den individuellen Endanwender im Fokus, so dass linguistische Inhalte idealerweise für unterschiedliche Nutzergruppen und variable Benutzungssituationen (fundierte Untersuchung vs. Ad-hoc-Recherche etc.) aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden.

Sprachauskunftssysteme, die von Forschungsinstitutionen aufgebaut und gepflegt werden – hierzu gehören im deutschsprachigen Raum etwa das grammatische Informationssystem GRAMMIS oder das Wortschatz-Informationssystem OWID am Institut für Deutsche Sprache (IDS), weitere Online-Wörterbücher wie DWDS oder das Leipziger Wortschatz-Portal – , aber auch private Initiativen wie leo.org oder canoo.net sind ursprünglich zumeist für die Nutzung von ForscherInnen konzipiert, die am Desktop-Computer bzw. im Web-Browser mit digitalen Sprachressourcen interagieren. Doch darüber hinaus werden diese Ressourcen flexibel in Lehre, Ausbildung und Fremdsprachenstudium genutzt, oder einfach zum punktuellen Nachschlagen unterwegs. Zukünftige Entwicklungen und Relaunches dürften deshalb zunehmend auch Smartphone-Apps oder zumindest Designs für den mobilen Zugriff mit einplanen.

Mobile Anwendungen hängen in herausragendem Maße von der Qualität ihrer Benutzerschnittstellen ab. Kriterien sind hier – unter anderem – der Umgang mit der Bildschirmfläche und Kontrastfarben, die Konzeption von Benutzereingaben und Mausklicks/Tapps sowie die Reduzierung von Wartezeiten. Was auf dem Desktop vielleicht akzeptabel ist, führt im Mobilbereich schlimmstenfalls zur Unbrauchbarkeit.

Vor diesem Hintergrund möchte der Workshop Forscher und Praktiker zusammenbringen, die hypermediale Sprachauskunftssysteme konzipieren oder einsetzen, egal ob als App oder im Browser auf dem PC-Desktop. Beiträge sollen aus der Nutzer- oder Entwicklerperspektive folgende – oder daran anknüpfende – Fragen thematisieren:

  • Welche innovativen „smarten“ Zugänge zu linguistischen Inhalten sind wünschenswert und möglich (für Desktop und/oder App)?
  • Welche Formen der Visualisierung sind für welche Arten von Informationen sinnvoll (ggf. auch interaktive Explorationsformen)?
  • Lassen sich typische Anwendungssituationen und Inhaltstypen unterscheiden, d.h. was ist sinnvoll für eine App, was für den Desktop-Browser?
  • Wie lassen sich intuitive Einstiege (z.B. einfache Suchfelder) mit der Koordinierung komplexer, dahinter liegende Ressourcen verknüpfen?
  • Wie können sprachwissenschaftliche Apps und Browserangebote generell nutzerfreundlich gestaltet werden bzw. wo liegen typische Fehlerquellen?
  • Wo werden mobile Systeme bislang genutzt (Universität, Schule, ggf. von Übersetzern oder Journalisten), wie ist die Akzeptanz und was wünschen sich die Anwender?

Keynote-Vorträge:

  • Prof. em. Dr. Hans Jürgen Heringer, Augsburg / Herrsching
  • Dr. Kathrin Kunkel-Razum, Dudenredaktion Berlin

Termine:

  • Einreichen von Abstracts für Vorträge oder Posterbeiträge: 15.07.2017 (verlängert)
  • Rückmeldung über die Annahme: 31.07.2017
  • Workshop: 28. – 29.09.2017

Veranstaltungsort:

Institut für Deutsche Sprache (IDS), R5 6-13, D-68161 Mannheim

Richtlinien für die Einreichung von Themenvorschlägen/Abstracts:

Vorschläge für Einzel- und Gemeinschaftsvorträge (25 min + 15 min Diskussion) können in elektronischer Form als PDF-Dokumente an die unten angegebenen Organisatoren eingereicht werden. Abstracts sollten nicht länger als eine DIN A4 Seite sein (Schriftgröße 12pt).

Organisation:

Website:

http://hypermedia.ids-mannheim.de/gscl-ak/html/activities.html

1. Göttinger StudiDays in Digital Humanities #DHStudiDays17

dhd-blog - Di, 06/20/2017 - 09:00

 „Why can a computer do so little?“ lautete am Donnerstagnachmittag die Einleitung des Hauptvortrages von Dr. Mareike König und warum nutzen Geisteswissenschaftler so wenig die Möglichkeiten der Digital Humanities?

Im Sinne dieser Frage verliefen die 1. Göttinger StudiDays in Digital Humanities vom 15.06. bis zum 17.06.2017 im GCDH. Ausgerichtet war die Veranstaltung auf ein breites Publikum von aktuellen und ehemaligen Studierenden mit Interesse an den Digital Humanities, wobei auch Neulinge auf dem Gebiet höchstwillkommen waren.

Das auf drei Tage verteilte abwechslungsreiche Programm verband Vorträge von Experten auf ihren Fachgebieten mit Projektvorstellungen von Studierenden und anregenden Diskussionsrunden. Abgerundet wurden die StudiDays u.a. durch eine Führung durch das Göttinger Digitalisierungszentrum und gemeinsame Abendessen.

 

Stellenausschreibung: Leitung IT/DH an der BBAW

dhd-blog - Mo, 06/19/2017 - 16:49

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) besetzt zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Leitung der Bereiche IT und Digital Humanities (zunächst befristet auf 2 Jahre).

Mehr zu den Aufgaben und dem Anforderungsprofil finden Sie unter:

http://www.bbaw.de/stellenangebote/ausschreibungen-2017/IT-DH-Leiter.pdf

Bildarchiv Foto Marburg sucht Kulturinformatiker/in (Vollzeit, E13 TV-H)

dhd-blog - Mo, 06/19/2017 - 16:46

via Regine Stein, Bildarchiv Foto Marburg

Am Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg ist für das in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München im Rahmen des Akademienprogramms betriebene und von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften betreute „Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland“ (deckenmalerei.badw.de) zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle einer/eines Kulturinformatiker/in (Vollzeit, E13 TV-H, zunächst befristet bis 31.12.2018) zu besetzen.

Zu den Aufgaben gehören die Abwicklung der technisch-editorischen Seite der Projektarbeit, die Entwicklung einer digitalen Publikationsplattform und zugehöriger Workflows sowie die Weiterentwicklung der Arbeitsplattform auf Basis der Drupal-VRE-Anwendung WissKI und der dazugehörigen Workflows, Komponenten und Schnittstellen (Java-, PHP-, XSLT-basiert).

Den vollständigen Text der Stellenausschreibung finden Sie auf der Homepage der Philipps-Universität Marburg unter:
http://www.uni-marburg.de/administration/verwaltung/dez2/personalabteilung/bewerber/stellen/oeffentlich/nichtwiss

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Die Bewerbungsfrist endet am 7. Juli 2017.

Die Gewinner des Berliner DH-Preis 2017 stehen fest!

dhd-blog - Mo, 06/19/2017 - 13:24

Bereits zum dritten Mal verlieh der Interdisziplinäre Forschungsverbund Digital Humanities in Berlin (if|DH|b) am 13. Juni 2017 den Berliner Digital-Humanities-Preis. Die festliche Preisverleihung fand im Einstein-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) statt.

Ausgezeichnet wurde mit dem ersten Preis in Höhe von 2000 Euro die „edition humboldt digital“, eine Publikation des Akademienvorhabens „Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung“ der BBAW, und das Projekt “Durchblick – Historische Glasdias digital” der Mediathek des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem zweiten Preis in Höhe von 1000 Euro.

Zum Bericht über die Preisverleihung, Impressionen und Pressestimmen geht es hier lang.

Stelle im Bereich „Computerlinguistische Textanalyse“ zu besetzen (E13 TV-L)

dhd-blog - Do, 06/15/2017 - 17:30

Am Institut für Informatik/Göttingen Centre for Digital Humanities (GCDH) an der Georg-August-Universität Göttingen und der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle einer/eines

wissenschaftlichen Mitarbeiterin/wissenschaftlichen Mitarbeiters

im Bereich „Computerlinguistische Textanalyse“ mit 75% der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit (zzt. 29,85 Stunden/Woche) befristet für die Dauer von 36 Monaten zu besetzen. Eine Aufstockung auf 100% (39,80 Stunden/Woche) ist möglich und setzt die Bereitschaft zum Aufbau eines Text- and Data-Mining Corpus der SUB voraus. Die Entgeltzahlung erfolgt nach Entgeltgruppe 13 TV-L.

Die Stelle ist im Projekt „Data Narratives“ angesiedelt, das sich mit der automatischen Analyse wissenschaftlicher Publikationen im historischen Kontext befasst und gemeinsam vom Lehrstuhl für Digital Humanities (Prof. Dr. Caroline Sporleder) und der SUB (Prof. Dr. Wolfram Horstmann) betreut wird. Eine Promotion im Projektkontext ist ausdrücklich erwünscht.

Ihre Aufgaben
– Mitarbeit im Forschungsprojekt „Data Narratives“
– Entwicklung, Implementierung und Evaluation von computerlinguistischen Algorithmen zur Analyse natürlichsprachlicher Texte
– Präsentation der Forschungsergebnisse in Publikationen und bei Konferenzen

Ihr Profil
– sehr gut abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium in einem für den Arbeitsbereich relevanten Fach, z. B. Computerlinguistik, Linguistik oder Informatik
– fundierte Kenntnisse computerlinguistischer Algorithmen
– sehr gute Kenntnisse mindestens einer Programmiersprache (z. B. Java oder Python) und Erfahrung mit der Implementierung von Algorithmen
– sehr gute Englischkenntnisse
– Selbständigkeit, schnelle Auffassungsgabe und hohe Kommunikationsfähigkeit
– Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit

Wünschenswert:
– Erfahrung mit statistischen Modellen und maschinellen Lernverfahren
– Interesse an wissenschaftstheoretischen und wissenschaftshistorischen Fragestellungen

Die Stelle ist teilzeitgeeignet.

Die Universität Göttingen strebt in den Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, eine Erhöhung des Frauenanteils an und fordert daher qualifizierte Frauen nachdrücklich zur Bewerbung auf. Sie versteht sich als familienfreundliche Hochschule und fördert die Vereinbarkeit von Wissenschaft/Beruf und Familie. Die Universität hat sich zum Ziel gesetzt, mehr schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Bewerbungen Schwerbehinderter erhalten bei gleicher Qualifikation den Vorzug.

Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen reichen Sie bitte bis zum 04.07.2017 über das Onlinebewerbungsportal: https://lotus2.gwdg.de/uni/uzdv/perso/knr_100221.nsf ein.

Für Rückfragen steht Ihnen Frau Prof. Dr. Caroline Sporleder (E-Mail csporled@cs.uni-goettingen.de) zur Verfügung.

Stellenausschreibung: Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Mitarbeiter (EG 13 TV-L), FH Potsdam, DFG gefördertes Forschungsprojekt „RDMO“ (Research Data Management Organizer)

dhd-blog - Do, 06/15/2017 - 14:57

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

an der FH Potsdam ist zum 01.10.2017 die Stelle einer/eines wissenschaftlichen Mitarbeiterin/Mitarbeiters (EG 13 TV-L) in Vollzeit (z.Zt. 40 Wochenstunden) befristet bis Ende 31.03.2020 zu besetzen. Die Stelle ist innerhalb des DFG geförderten Forschungsprojekts „RDMO“ (Research Data Management Organizer) angesiedelt und ist grundsätzlich teilzeitgeeignet.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Stellenausschreibung unter:

https://www.fh-potsdam.de/fileadmin/user_dateien/1_informieren/D_Profil/a_Stellenanzeigen/20170715.aka.MA.RDMO.21_2017.pdf

(bzw. https://www.fh-potsdam.de/informieren/profil/stellenangebote/,

Kennziffer 21/2017)

Vorstellung der PreisträgerInnen des DARIAH DH-Award 2017: Armin Häberle

dhd-blog - Mi, 06/14/2017 - 17:03

Der DARIAH-DE DH-Award 2017 fördert NachwuchswissenschaftlerInnen, die in ihren Forschungsvorhaben innovative digitale Ansätze und Methoden einsetzen und so einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Digital Humanities leisten. Im DHd-Blog stellen wir PreisträgerInnen und Projekte in den nächsten Wochen vor.

Armin Häberle studierte Malerei und Grafik an der Kunstakademie Karlsruhe und der Universität Lissabon. Er war Meisterschüler von Horst Antes und in Berlin selbständig. Er erhielt das Graduiertenstipendium Baden-Württembergs und den Friedrichshafener Kunstförderpreis. Das Studium der Kunstgeschichte an Freien Universität Berlin hat er mit einer Masterarbeit zu Poussin mit Auszeichnung abgeschlossen. Derzeit ist er Doktorand an der Bibliotheca Hertziana.

Welche Ergebnisse erwarten Sie und für welche Forschungsthemen sind diese anschlussfähig?

Hauptziel ist die Entwicklung eines oder mehrerer Bildgebungsverfahren, mit denen die materielle Stratifikation einer künstlerischen Handzeichnung, die, nicht immer, aber häufig der chronologischen Werkgenese entspricht, in separierten Einzelbildern dargestellt werden kann. Da sich diese Schichten gemeinhin überlagern, wird durch eine Bildgebung die empirische Untersuchung der Werkgenese und des kreativen Prozesses für die Kunsthistorik überhaupt erst möglich. Bislang gelingt dies nur eingeschränkt, meist mittels Infrarot-Reflektographien. Die verbliebenen diagnostischen Lücken möchten wir schließen. Für die Substrat-Kombination Rötel-Tinte/Tusche ist uns dies gelungen.

Das Verfahren nutzt die spezifischen Wellenlängensignaturen der Zeichenmaterialien und filtert diese über eine Kaskade von Musterkennungsverfahren. Das Verfahren bietet die Chance, verschiedene Fragestellungen in einer Serie von Aufnahmen abzuarbeiten, und Objekte zu untersuchen, die sich in kleinen Sammlungen ohne Anbindung an wissenschaftliche Labore befinden. Dies könnte die bisherige Forschung, in der technische Untersuchungen fast ausschließlich an „Meisterzeichnungen“ vorgenommen werden, verbreitern und demokratisieren.

Ein zweites Ziel ist die Rekonstruktion ausradierter oder beschädigter Partien. Für die Frühe Neuzeit wurden Phänomene des Ausradierens in Zeichnungen als künstlerischem Verfahren noch nie thematisiert. Dies schließt sehr eng an die sogenannte Palimpsest-Forschung an, wo in den vergangenen fünfzehn Jahren große Fortschritte erzielt wurden (z.B. beim „Archimedes-Palimpsest“). Letztlich blieben diese Forschungen aber auf Schriftstücke konzentriert. Wir arbeiten an einer Nutzbarmachung für das Feld der Bildkünste.

Grundsätzlich sind die zur Bildauswertung entwickelten Algorithmen nicht auf historische Anwendungen beschränkt. Automatisierte Mustererkennungen sind äußerst universell. Die zu entwickelnden Rechenoperationen könnten folglich auch einen Beitrag zu gänzlich anderen Anwendungen, z.B. in der medizinischen Diagnostik oder der Grundlagenforschung der Informatik und Historik leisten.

Mit welchen Materialien und Daten arbeiten Sie?

Ziel der Bildgebung ist die Untersuchung von musealisierten Kunstwerken auf Papier, Pergament und Holz. Da diese von hohem historischen wie monetärem Wert sind, und das gealterte Material besonders strahlungssensibel und fragil ist, erproben wir unsere Aufnahmetechniken bisher ausschließlich anhand von Imitationen. Die einzelnen Produktionsstufen dieser Dummies werden Schritt für Schritt dokumentiert. Diese Datensätze dienen als Prüfinstrument für die Akkuratesse der hyperspektralen Bildauswertung. In dem wechselseitigen Abgleich von RGB-Bildern der Produktionsschritte und den hyperspektralen Bildauswertungen können die Verfahren bewertet und verfeinert werden. Dieser Workflow findet für alle Substratkombinationen Anwendung, wobei wir uns auf jene konzentrieren, die bisher keiner Diagnostik zugänglich, oder besonders schwierig nachzuweisen sind (z.B. Graphit). Gleichzeitig erarbeiten wir Strategien zur Reduktion der Strahlenbelastung. In der folgenden Phase soll das ausentwickelte Verfahren schließlich an musealen Objekten geprüft werden.

Aufnahme aus der Untersuchungsreihe 1, (C) A. Davari/A. Haeberle/C. Riess, 2016

Gibt es Methoden, Theorien und Tools, welche für diese Aufgabe besonders interessant sind?

Das Verfahren dient vorrangig der historischen Zeichnungs- und Manuskriptforschung. In diesem Bereich spielen kennerschaftliche Urteile – gerade aufgrund der meist ausgesprochen schlechten Dokumentenlage – bis heute eine außergewöhnliche Rolle. Erst in jüngster Zeit gab es stärkere Bemühungen, den methodischen Zugang zu überdenken und nach valideren Kriterien bei der Urteilsfindung zu suchen (z.B: durch Burmester/Renger oder Pagliano). Nachdem technische Untersuchungen lange Zeit in den Aufgabenbereich von Restauratoren ausgelagert wurden, gewinnen diese erst jüngst für Kunsthistoriker selbst wieder an Bedeutung. Dies liegt unter anderem daran, dass sich die Fragestellungen von Restauratoren und Kunsthistorikern an das Objekt und seinen Kontext regelmäßig unterscheiden. Auch die Analyse von Werkprozessen würde ich hier mitzurechnen. Insofern sehe ich die Suche nach neuen technischen Untersuchungen auch als Teil einer Suche nach einer methodischen Erneuerung des Faches. Die Methode eignet sich auch zur Untersuchung von Archivalien und Schriftstücken, modifiziert auch für Druckgraphiken. Daneben kann sie ein Werkzeug zur Echtheitsprüfung sein. Grundsätzlich ließe sich daraus auch ein Prüfinstrument für andere Dokumente, z.B. Ausweise, Geldscheine usf. entwickeln.

Wie haben Sie begonnen, sich mit digitalen Geisteswissenschaften zu beschäftigen?

Dieses Projekt erwuchs aus der Lektüre eines kurzen medizinischen Artikels zum „richtigen Zeitpunkt“. Im Rahmen meiner Forschung an Handzeichnungen war ich mit dem Problem konfrontiert, Arbeitsprozesse in materiell und technisch äußerst komplex erarbeiteten Entwurfszeichnungen für vielfigurige und großformatige Schlachtendarstellungen zu identifizieren. In ihrer materiellen Überlagerung präsentierten sich diese jedoch als visuelles Chaos, das sich einer geisteswissenschaftlichen Analyse durch das technisch nicht-assistierte Auge verschloss. In dem Aufsatz wurde von einer hyperspektral-analytischen Anwendung berichtet, mit der es niedergelassenen Hautärzten möglich werden sollte, durch Aufnahmen von Hautarealen mit einer Kamera und entsprechender Mustererkennungssoftware, Hautkrebs im Frühstadium zu identifizieren. Grundlage der Technik war die Erkenntnis, dass sich Krebszellen hinsichtlich ihrer Farbe von gesunden Zellen spezifisch unterscheiden.

Während der Lektüre hatte ich sofort den Gedanken, dass mein Problem – die Extraktion bestimmter Farbsignaturen vor einem überwiegend homogenen Bildgrund – mit demselben Verfahren zu lösen sein könnte, vorausgesetzt das Ergebnis ließe sich als Bildgebung darstellen. Ich habe den damaligen Projektleiter Christian Riess in Erlangen angerufen und wir konnten schnell zu einer ersten Zusammenarbeit finden, die bis heute intensiviert wurde, und die durch das Hinzustoßen von Amir Abbas Davari nun die ersten Früchte trägt.

Welche Angebote der digitalen Geisteswissenschaften fänden Sie für Ihre Forschungsprojekte in Zukunft besonders hilfreich?

Transdisziplinäre Kooperationen tragen in meinen Augen dann rasche Früchte, wenn es allen beteiligten Disziplinen gelingt, für ihr jeweiliges Arbeitsfeld im konkreten Fall eigenständige, relevante Forschungsfragen zu formulieren. Die Suche nach einer blanden technischen Anwendung für ein Problem eines Kunsthistorikers ist für einen Informatiker so wenig herausfordernd, wie die Bitte an einen Klempner, einen Wasserhahn zu montieren. In dem Moment, in dem es aber darum geht ein grundlegendes Problem im eigenen Fachbereich zu lösen – im besagten Beispiel, die Erfindung eines neuen Ventilmechanismus zur Kontrolle eines Flüssigkeitsstroms – sprich um eine Forschungsleistung, kommen Innovationen in aller Regel mit Siebenmeilenstiefeln voran.

Für die Kunstgeschichtsschreibung im Besonderen würde ich mir wünschen, dass sich die Kunsthistoriker wieder stärker selbst mit der für die Lösung ihrer eigenen Forschungsfragen notwendigen oder eben noch zu erfindenden, objektorientierten Techniken auseinandersetzen. In den letzten Jahrzehnten wurde diese Aufgabe fast vollständig an andere Disziplinen abgegeben, die in aller Regel auch näher am (materiellen) Objekt operieren. Es ist aber ein Trugschluss, zu glauben, dass die Fragestellungen, die diese an das Werk richten, mit denen der Historiker identisch seien. Sie unterscheiden sich regelmäßig deutlich. Diese Verlagerung hat zu einer einseitigen Verschiebung von Expertise und Urteilsfähigkeit der technischen Untersuchungen geführt, die auch im interdisziplinären Diskurs nicht einfach zu überbrücken ist, und andererseits zu einer Wendung der Kunsthistorik zur „reinen Geisteswissenschaft“. Gepaart ist dies mit einer Wiederbelebung der klassischen Kennerschaft, während gleichzeitig Forschungsfragen, für die Restauratoren oder andere Disziplinen kein probates Untersuchungsinstrument bereitstellen, häufig unbearbeitet blieben. Das eigene Nachdenken über die noch zu erarbeitenden Problemlösungen und das gezielte Suchen nach wissenschaftlichen Partnern, für das Disziplinen wie die Archäologie oder die verwandte Bauforschung Vorbild sein könnten, könnte nach meiner Auffassung dazu beitragen, dass die Kunstgeschichte neben der überaus fruchtbaren Bereitstellung und Verarbeitung von Materialien in Datenbanken und den damit verbundenen Chancen hinaus, zu einer ganzen Reihe von weiteren Innovationen beiträgt, die das Fach wissenschaftlich weiter fundieren und voranbringen.

Weitere Informationen

Armin Häberle (Homepage | Bibliotheca Hertziana)

Dr. Christian Riess (Institut für Informatik, FAU Erlangen-Nürnberg)

Amir Abbas Davari (Institut für Informatik, FAU Erlangen-Nürnberg)

DARIAH-DE unterstützt mit digitalen Ressourcen und Methoden arbeitende Geistes- und KulturwissenschaftlerInnen in Forschung und Lehre. Dafür baut das Projekt eine digitale Forschungsinfrastruktur für Werkzeuge und Forschungsdaten auf und entwickelt Materialien für Lehre und Weiterbildung im Bereich der Digital Humanities (DH). DARIAH-DE ist der deutsche Beitrag von DARIAH-EU und arbeitet in diesem Kontext mit einer Vielzahl von europäischen Partnern und Projektverbündeten zusammen.

Projektmitarbeiter/-in Forschungsdatenmanagement an der Universität Potsdam

dhd-blog - Mo, 06/12/2017 - 09:01

via Niklas Hartmann, Universitätsbibliothek Potsdam

An der Universität Potsdam ist im Zentrum für Informationstechnologie und Medienmanagement (=Rechenzentrum) folgende Stelle ausgeschrieben:

Projektmitarbeiter/-in Forschungsdatenmanagement.

Vollzeit, befristet auf 2 Jahre, Eingruppierung bis E13 TV-L.

50% Mitarbeit im BMBF-Verbundprojekt FDMentor mit den drei großen Berliner Unis und der Viadrina; 50% andere Aufgaben im Forschungsdatenmanagement, u.a. Aufbau eines Kontaktpunkts für Mitarbeiter/innen in den Fakultäten gemeinsam mit der Bibliothek.

Bewerbungsschluss: 28. Juni 2017.

Weitere Informationen unter: http://www.uni-potsdam.de/verwaltung/dezernat3/stellen/

DHd 2018 – CfP veröffentlicht

dhd-blog - Do, 06/01/2017 - 12:46

Die nächste DHd findet 26.2.-2.3.2018 in Köln statt. Sie hat das Leitthema „Kritik der digitalen Vernunft“. Seit kurzem gibt es auch einen Call for Paper: http://dhd2018.uni-koeln.de/?page_id=34. Einreichtungsfrist ist der 18.9.2017. Das Programmkommittee, des lokale Organisationskommittee und der Verband „Digital Humanities im deutschsprachigen Raum“ freuen sich auf spannende Proposals!

Für das Programmkommitte

Georg Vogeler

(Chair)

Vorstellung der PreisträgerInnen des DARIAH DH-Award 2017: Isabella Reger

dhd-blog - Do, 06/01/2017 - 10:48

Der DARIAH-DE DH-Award 2017 fördert NachwuchswissenschaftlerInnen, die in ihren Forschungsvorhaben innovative digitale Ansätze und Methoden einsetzen und so einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Digital Humanities leisten. Im DHd-Blog stellen wir PreisträgerInnen und Projekte in den nächsten Wochen vor.

Isabella Reger studierte Anglistik und Digital Humanities an der Universität Würzburg. Aktuell, wie auch bereits während des Masterstudiums, arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Computerphilologie im Projekt Kallimachos, dem Würzburger Zentrum für digitale Edition und quantitative Analyse. Die Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte liegen dabei auf der computergestützten Analyse literarischer Korpora im Hinblick auf Figuren und Handlungselemente, sowie auf der Stilometrie.

Welche Ergebnisse erwarten Sie und für welche Forschungsthemen sind diese anschlussfähig?

In  meiner Masterarbeit habe ich mich mit Figurennetzwerken aus Romanen beschäftigt und die Frage untersucht, ob und wie strukturelle Ähnlichkeiten zwischen den Netzwerken verschiedener Romane gefunden werden können. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass insbesondere die Auswertung solcher recht subjektiver Phänomene wie Ähnlichkeit eine Herausforderung darstellt, die sich sicher auch in anderen Projekten stellt.

Bei der Analyse von Figurennetzwerken wären als weitere Forschungsfragen interessant, wie die Kanten zwischen den Figuren im Hinblick auf konkrete Interaktionen oder soziale Beziehungen genauer beschrieben werden können oder wie sich die Figurenkonstellation im Laufe eines Romans verändert.

Mit welchen Materialien und Daten arbeiten Sie?

Ich habe eine Auswahl deutscher Romane aus dem 19. Jahrhundert verwendet, die aus der Digitalen Bibliothek von TextGrid stammen. Das wichtigste Werkzeug ist für mich die Programmiersprache Python, in Verbindung mit Packages wie Pandas oder NetworkX.

Gibt es Methoden, Theorien und Tools, welche für diese Aufgabe besonders interessant sind?

Bei der computergestützten Analyse von literarischen Texten und Figuren sind einige Vorverarbeitungsschritte, wie die Erkennung von Figurenreferenzen und die Koreferenzauflösung, notwendig. Hierfür habe ich eine im Rahmen des Projekts Kallimachos in Würzburg entwickelte Pipeline verwendet, die auf deutsche literarische Texte angepasst ist.

In meiner Thesis habe ich außerdem soziale Netzwerkanalyse und Topic Modeling angewandt. Ich denke, dass auch die Methoden des maschinellen Lernens in den digitalen Geisteswissenschaften eine wichtige Rolle spielen und weiterhin spielen werden.

Wie haben Sie begonnen, sich mit digitalen Geisteswissenschaften zu beschäftigen?

Im Rahmen meines Studiums. Ich habe 2010 in Würzburg mit dem Bachelor in Digital Humanities begonnen und von Anfang an Gefallen an dem Fach gefunden.

Welche Angebote der digitalen Geisteswissenschaften fänden Sie für Ihre Forschungsprojekte in Zukunft besonders hilfreich?

Sehr hilfreich finde ich ausführliche Tutorials von Fachleuten zu bestimmten Themen oder von ihnen entwickelten Tools. Das erleichtert einem den praktischen Einstieg sehr, wenn man sich neue Methoden aneignen möchte.

Weitere Informationen

Isabella Reger
Universität Würzburg, Lehrstuhl Computerphilologie
Masterarbeit: Figurennetzwerke als Ähnlichkeitsmaß (CC-BY-SA)
Projekt Kallimachos

DARIAH-DE unterstützt mit digitalen Ressourcen und Methoden arbeitende Geistes- und KulturwissenschaftlerInnen in Forschung und Lehre. Dafür baut das Projekt eine digitale Forschungsinfrastruktur für Werkzeuge und Forschungsdaten auf und entwickelt Materialien für Lehre und Weiterbildung im Bereich der Digital Humanities (DH). DARIAH-DE ist der deutsche Beitrag von DARIAH-EU und arbeitet in diesem Kontext mit einer Vielzahl von europäischen Partnern und Projektverbündeten zusammen.

Masterstudium „Digitale Geisteswissenschaften“ an der Universität Graz

dhd-blog - Do, 06/01/2017 - 10:38

Ab dem kommenden Studienjahr 2017/18 wird an der Universität Graz das erste Masterstudium „Digitale Geisteswissenschaften“ in Österreich angeboten!

Das als zweijähriges Masterstudium mit 120 ECTS Credits konzipierte Studienangebot richtet sich an Bachelor-AbsolventInnen geistes und kulturwissenschaftlicher Studienrichtungen. Das Studium wird grundsätzlich in deutscher Sprache angeboten, steht aber selbstverständlich auch Studierenden anderer Hochschulstandorte offen.

Alle Informationen zum Masterstudium „Digitale Geisteswissenschaften“ finden Sie auf unserer Webseite: https://informationsmodellierung.uni-graz.at/de/studieren/masterstudium-digitale-geisteswissenschaften/

Weitere Informationen – wie zum Beispiel ein ausführlicher Leitfaden für Studierende als Ergänzung zum Studienplan – werden dort im Laufe der nächsten Wochen verfügbar gemacht.

Am 13. Juni findet außerdem um 12:30 Uhr am ZIM-ACDH, Elisabethstraße 59/III, 8010 Graz eine Informationsveranstaltung für Studierende statt.

Für weitere Auskünfte stehe ich auch gerne per Mail ( zim@uni-graz.at ) oder Telefon ( +43 316 380 2292 ) zur Verfügung.

 

Laufbahnprofessur „Digital Humanities mit Schwerpunkt im Bereich Museologie“ an der Universität Graz

dhd-blog - Do, 06/01/2017 - 10:13

Die Universität Graz besetzt eine §99(5) Laufbahnprofessur: http://jobs.uni-graz.at/de/KS/7/99/3587

„Digital Humanities mit Schwerpunkt im Bereich Museologie“

  • Die Besetzung erfolgt zunächst befristet auf 6 Jahre als Assistenzprofessor/in mit Qualifizierungsvereinbarung.
  • Karriereziel ist die Überleitung in ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit als Assoziierte/r Professor/in.
  • Beschäftigungsausmaß 40 Stunden/Woche
  • Zu besetzen im Wintersemester 2017/18
  • Ende der Bewerbungsfrist: 05. Juli 2017
  • Kennzahl: KS/7/99 ex 2016/17

Bei Interesse senden Sie bitte Ihre Bewerbungsunterlagen unter Berücksichtigung der allgemeinen Bewerbungsbestimmungen (http://jobs.uni-graz.at/Auswahlverfahren-Laufbahnprofessuren) innerhalb der angegebenen Bewerbungsfrist unter Angabe der Kennzahl per E-Mail an: bewerbung.laufbahnprofessur@uni-graz.at

 

Edition der Medulla Gestorum Treverensium – Trier Center for Digital Humanities (TCDH) beginnt mit der digitalen Erforschung rheinischer Heiltumsdrucke

dhd-blog - Di, 05/30/2017 - 10:54

1512 war ein bedeutendes Jahr für die Stadt Trier. Am Vorabend der Reformation fand nicht nur die erste Wallfahrt zum Heiligen Rock in den Dom statt, sondern hier wurde auch einmalig in der Stadtgeschichte ein Reichstag abgehalten. Der Weihbischof und Rektor der Alten Universität Trier Johann Enen (ca. 1480–1519) nahm diese Großereignisse zum Anlass, um die Medulla Gestorum Treverensium zu verfassen, die nun am TCDH digital ediert und erschlossen wird.

Die Medulla, deren erste Auflage 1514 veröffentlicht wurde, ist für die Geschichtswissenschaft in vielerlei Hinsicht interessant. Enen schrieb hierin die Gründungssage der Moselstadt sowie die Chronik des Erzbistums Trier nieder. Sein Hauptwerk zählt damit zu den ersten gedruckten Stadtgeschichten Triers und bildet eine herausragende Quelle für die historische Landes-, Bistums-, und Frömmigkeitsforschung. Vor allem aber listete der Weihbischof die wichtigsten Kirchen, Klöster und Reliquien in der Moselstadt auf, weshalb die Medulla den sogenannten Heiltumsdrucken zugeordnet wird. Diese Quellengattung, deren Hochzeit mit der spätmittelalterlichen sowie frühneuzeitlichen Reliquienverehrung und Wallfahrtskonjunktur zusammenfällt, wurde historisch und philologisch bislang nur unzureichend beleuchtet.

Im Rahmen des Vorhabens „Digitale Edition und Erschließung der Medulla Gestorum Treverensium des Johann Enen (1514) als erstes Modul eines digitalen Portals der rheinischen Heiltumsdrucke“ will das TCDH den Blick nicht allein auf die Untersuchung von Enens Schrift lenken. Durch die zusätzliche Edition eines weiteren kleineren Heiltumstraktates soll bereits der Grundstein für eine umfassende, frei zugängliche Website gelegt werden, die sich mittelfristig der historischen rheinischen Wallfahrtslandschaft widmet.

Das Projekt wird in Kooperation mit der Stadtbibliothek Trier, Prof. Dr. Michael Embach (Fachbereich II, Universität Trier), Prof. Dr. Wolfgang Schmid (Fachbereich III, Universität Trier), der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier sowie der Bayerischen Staatsbibliothek München durchgeführt und von der Nikolaus Koch Stiftung gefördert.

Stellenausschreibung UB und ZIMT Siegen: 2 befristete wiss. Mitarbeiterstellen

dhd-blog - Mo, 05/29/2017 - 08:15

via Volker Hess, Universität Siegen

An der Universitätsbibliothek und am Zentrum für Informations- und Medientechnologie (ZIMT) der Universität Siegen sind im Rahmen des hochschulübergreifenden BMBF-geförderten Pilotprojekts „Forschungsdatenmanagement im Kooperationsverbund – FoDaKo“ zwei befristete wissenschaftliche Mitarbeiterstellen EG 13 TV-L ausgeschrieben.

Das ZIMT und die UB bauen gemeinsam an der Universität Siegen ein Service- und Beratungszentrum zum Forschungsdatenmanagement auf, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der unterschiedlichen Fachdisziplinen künftig zu sämtlichen Fragen im Kontext des Forschungsdatenmanagements beraten und mit Dienstleistungen unterstützt werden.

Die vollständige Ausschreibung finden Sie unter: http://www.uni-siegen.de/uni/stellen/wiss/764173.html

Die Bewerbungsfrist endet am 19.06.2017.

Maschinen und Manuskripte: Themenraum zur Digitalen Kodikologie im Virtuellen Museum Digital Humanities – Hannah Busch im Interview

dhd-blog - Di, 05/23/2017 - 12:33

2015 war im Bischöflichen Priesterseminar in Trier die Ausstellung Maschinen und Manuskripte –
Digitale Erschließung der Handschriften von St. Matthias
zu sehen, die aus dem Kooperationsprojekt eCodicology hervorgegangen war. Diese Ausstellung kann mittlerweile dauerhaft und kostenlos im Internet besucht werden. Das Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften/Trier Center for Digital Humanites (TCDH) hat dafür einen Raum in seinem Virtuellen Museum Digital Humanities eingerichtet.

Die Stadt Trier ist reich an alten, kostbaren Büchern und damit ein idealer Ort um
Handschriftenforschung zu betreiben. Das liegt zum einen daran, dass hier im Mittelalter wichtige Auftraggeber lebten – Erzbischof Egbert etwa ließ im 10. Jahrhundert im Kloster Reichenau den weltberühmten Codex Egberti schaffen, der heute in der Schatzkammer der Trierer Stadtbibliothek
bewundert werden kann. Zum andern wurden hier Kodizes gesammelt und hergestellt. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei die Benediktinerabtei St. Matthias. Ihre Bibliothek spiegelte im Mittelalter die Bedeutung des Klosters als ein Zentrum und Impulsgeber für die Kultur des mitteleuropäischen
Raumes wider.

Screenshot Themenraum „Digitale Kodikologie“, Virtuelles Museum DH.

In den vergangenen Jahren beschäftigten sich zwei Projekte unter Beteiligung des Kompetenzzentrums mit dieser Abteibibliothek. Im von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft geförderten Vorhaben
Virtuelles Skriptorium St. Matthias rekonstruierte das TCDH zusammen mit der TU Darmstadt, der Trierer Stadtbibliothek und dem Bischöflichen Priesterseminar in Trier ihren mittelalterlichen Bestand, der heute auf über 25 Standorte weltweit verteilt ist. Die gescannten Werke sind in einer frei zugänglichen Onlinebibliothek wieder zusammengeführt und somit in Gänze verfügbar gemacht worden. Die digitalisierten Bücher
konnten dann für Forschungen im Rahmen von
eCodicology, einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Projekt, weiterverwendet werden. Gemeinsam arbeiteten das Kompetenzzentrum, die TU Darmstadt und das
Karlsruher Institut für Technologie in diesem Vorhaben an Computerprogrammen, die selbstständig das Layout von Handschriften untersuchen können. Es wurden neue Algorithmen entwickelt und erprobt, die den gestalterischen Aufbau von Buchseiten automatisch erkennen und die Strukturelemente wie Blattgröße, Schriftraum, Illustrationen und Anmerkungen bestimmen.

Um auch die breite Öffentlichkeit für die Trierer Handschriftenforschung zu begeistern, wurde die Ausstellung Maschinen und Manuskripte organisiert, die eine Brücke zwischen mittelalterlichen
Büchern und moderner Wissenschaft schlagen sollte. Entlang der Geschichte der Mattheiser Bibliothek und ihrer Bestände wurden die Besucher zu verschiedenen Stationen geführt. Konzipiert wurde sie von den eCodicology-Mitarbeiterinnen Sabine Philippi und Hannah Busch, die auch für diesen Beitrag Rede und Antwort stand.

„Als wir die Ausstellung konzipierten, konnten wir nicht davon ausgehen, dass das Publikum viel über Handschriften weiß, aber vielen Menschen in der Region ist bewusst, dass es einige Schätze der
mittelalterlichen Buchkunst hier in Trier gibt“,
erzählt Hannah Busch.

Das Publikum wurde zunächst mit der Anfertigung mittelalterlicher Bücher vertraut gemacht.

„Wir haben ganz vorne angefangen und erklärt, was Kodizes sind, wo und wie sie entstanden,
was darin geschrieben wurde und wer sie benutzt hat. Wir hatten auch eine Vitrine mit
Verarbeitungsmaterialien und stellten z. B. eine aufgespannte Tierhaut aus,
um zu zeigen, wie man Pergament herstellte“,
so Busch.

Neben der Vorstellung der Buchkunde als wissenschaftliche Disziplin wurde den Besuchern das
Forschungsfeld der Digitalen Kodikologie anhand der Fragegestellungen und Ergebnisse des
eCodicology-Projekts Stück für Stück nähergebracht.

„Uns ging es bei eCodicology darum, die formalen Strukturen des Layouts mittelalterlicher
Handschriften zu untersuchen und so
gab es natürlich auch eine Vitrine, die sich der Buchgestaltung widmete. Wir wollten zeigen, dass Kodizes ein durchdachtes Layout haben und dass es diesbezüglich einige Dinge gibt, die man analysieren kann“, erklärt Busch. „Anhand der Exponate machten wir
deutlich, dass die Position des Schriftspiegels, die Aufteilung in Spalten, die Bildelemente wie Bordüren,
Illustrationen und die Darstellung der z. T. reich verzierten Schmuckbuchstaben (Initialen) normiert
waren und bestimmten Regeln unterlagen.
Selbst Kommentare, die am Rand oder zwischen den Zeilen stehen und manchmal mehr Raum einnehmen als der eigentliche Text sind eindeutig geplant gewesen und waren zentraler Bestandteil des Buchaufbaus.“

Ausgehend von dieser historischen Perspektive spannte die Ausstellung dann den Bogen zur modernen kodikologischen Forschung, die immer stärker auf digitale Verfahren setzt und damit die klassischen Methoden der Handschriftenkunde ergänzt. Durch die Digitalisierungsmaßnahmen im Projekt Virtuelles Skriptorium St. Matthias kann man elektronisch auf sehr viele Bücher zugreifen. Daraus ergibt sich ein größerer Vergleichswert, mit dem Kodikologen digital experimentieren können.

Durch die Analyse von Layout-Eigenschaften kann man u. a. Aussagen über den Herkunftsort,
die Entstehungszeit und die Textart der Bücher treffen. Doch die manuelle
Vermessung der Text- und Bildfelder oder das Zählen der Zeilen usw. auf jeder einzelnen Seite von hunderten von Büchern nimmt immens viel Zeit in Anspruch.  Mit einer entsprechenden Software geht das natürlich viel schneller“.

Blick aus der Vogelperspektive auf die ‚Trierer Apokalypse‘ (StB/StA Trier, Hs 31 4°) Grafik: Sabine Philippi

Zwei Exponate illustrierten exemplarisch die Möglichkeiten, welche die quantitative Untersuchungsmethoden eröffnen. Eine Bildmontage der sogenannten
Trierer Apokalypse lässt auf einen Blick das Text-Bild-Schema im Buch erkennen. Unmittelbar sichtbar
werden so aber auch die Stellen, an denen das System durchbrochen wurde. Eine andere Montage bestehend aus ca. 6000 Seiten verschiedener Werke zeigte die Vielfalt des Seitenlayouts und deren Einheit innerhalb einzelner Texteinheiten. Die Ausstellung stellte also auf der einen Seite Handbuchwissen vor, auf der
anderen Seite warf sie einen Blick auf aktuelle Forschungen. Sie war somit nicht nur für die breite
Öffentlichkeit, sondern auch für angehende
Kodikologen und Studierende anderer historischer
Fächer sowie der Digital Humanities interessant. Deshalb hat man sich dazu entschieden, Texte und Bilder der Präsentation im Rahmen einer digitalen Ausstellung wieder zu veröffentlichen.

„Die Ausstellung stieß auf viel positive Resonanz. Zudem merken wir durch unsere Angebote, etwa im Rahmen der Kinder-Uni oder beim City Campus – der langen Nacht der Wissenschaft in Trier, immer wieder, dass ein großes Interesse an alten Handschriften da ist, auch wenn der wissenschaftliche
Zugang natürlich fehlt.Auch Studierende der Digital Humanities verfügen nicht zwangsläufig über
kodikologisches Basiswissen, da sie aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen kommen.
Im neuen Themenraum „Maschinen und Manuskripte“ im Virtuellen Museum wird daher
allgemeinverständlich vermittelt, was Handschriftenkunde ist, was mittelalterliche Bücher sind
und was Computer mit ihnen machen können.“

Das Virtuelle Museum für die Digitalen Geisteswissenschaften wurde 2015 vom Kompetenzzentrum initiiert und dient als Informations- und Lehrplattform. Es gibt Einblicke in die Arbeit des TCDH und vermittelt DH-Wissen an Studienanfänger, -bewerber und andere Interessierte. Wie in einem
physisch zugänglichen Museum besteht auch das Internet-Museum aus verschiedenen
themenorientierten Räumen, die in einzelne Stationen unterteilt sind.

„Im neuen Bereich „Maschinen und Manuskripte“ wird man von der Basisinformation langsam zu den Digital Humanities und zur Digitalen Kodikologie geführt. Wir haben bei der Konzeption des Themenraums darauf Wert gelegt, dass die Stationen als Sinneinheiten in sich geschlossen sind. Durch den hierarchischen Aufbau kann man sich strikt von Station zu Station durcharbeiten. Oder aber die
Besucher haben die Möglichkeit, Abschnitte zu überspringen. Wer schon weiß, wie ein Buch im
Mittelalter hergestellt wurde, der klickt einfach zur nächsten Station“,
so Hannah Busch.

Die digitale Ausstellung soll als Einführung dienen. Wer sich beispielsweise im Geschichtsstudium erstmalig mit Handschriften beschäftigt, kann sich hier einen Überblick verschaffen. Gleiches gilt für Kunsthistoriker, Philologen, Literaturwissenschaftler und andere, die sich mit Bild-Text-Phänomenen wissenschaftlich auseinandersetzen wollen.

Bei der Einrichtung haben mehrere Studierende als wissenschaftliche Hilfskräfte des TCDH mitgewirkt. Sie profitierten von einem doppelten Lerneffekt, da sie mehr über Kodikologie erfuhren und gleichzeitig praktisch auf dem Gebiet der Digital Humanities arbeiten konnten.

Die Website ist dynamisch und es können jederzeit neue Themenräume angebaut werden. So soll auch gewährleistet werden, dass die Inhalte auf dem neusten Stand der Forschung sind.
Studierende können auch passende Seminararbeiten dort veröffentlichen und damit einen
wissenschaftlichen Beitrag leisten“,
so Busch abschließend.

Wer mehr über Kodikologie erfahren und sein Wissen im Quiz testen möchte, gelangt hier zum neuen Themenraum Maschinen und Manuskripte im Virtuellen Museum Digital Humanities.

Autorin: Rebecca Mellone studierte Kunstgeschichte, Mittlere und Neuere Geschichte, Vor- und Frühgeschichte sowie Volkskunde in Bonn und Mainz. Seit 2016 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Trier Center for Digital Humanities.

Vorstellung der PreisträgerInnen des DARIAH DH-Award 2017: Tim Schütz

dhd-blog - Mo, 05/22/2017 - 12:42

Der DARIAH-DE DH-Award 2017 fördert NachwuchswissenschaftlerInnen, die in ihren Forschungsvorhaben innovative digitale Ansätze und Methoden einsetzen und so einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Digital Humanities leisten. Im DHd-Blog stellen wir PreisträgerInnen und Projekte in den nächsten Wochen vor.

Tim Schütz studierte Kommunikations-, Medien- und Kulturwissenschaften in Bremen und Istanbul. Seit seinem Bachelor-Abschluss arbeitet er als Junior Consultant im Institut für Informationsmanagement GmbH an der Universität Bremen. Seine Forschungs- und Arbeitsschwerpunkten liegen in der Verbindungen zwischen digitaler Kultur und der interdisziplinären Wissenschafts- und Technikforschung (STS), mit besonderem Interesse an alternativen Medieninfrastrukturen, kritischer Migrationsforschung sowie Technologienutzung im hohen Alter.

Welche Ergebnisse erwarten Sie und für welche Forschungsthemen sind diese anschlussfähig?

Zu Beginn meiner Forschung waren Diskurse um Smartphones als unangemessenes Luxusgut für Geflüchtete oder auch auch eine Faszination für die Bedeutung digitaler Tools als Instrument der Flucht sehr präsent. Die Vereinten Nationen wie auch das Bundesverfassungsgericht hingegen verstehen den Zugang zum Internet als menschliches Grundrecht auf Information. Schon die ersten Kontakte mit NGOs und Geflüchteten zu Beginn der Forschung zeigten, dass bereitgestellte Internet-Zugänge in kürzlich eröffneten Unterkünften – besonders in improvisierten Gebäuden und Zelten – keine Selbstverständlichkeit sind. Allerdings zeigten Beiträge aus der kritischen Migrationsforschung auch, dass TransitmigrantInnen auf unterschiedliche Arten ins Internet kommen und für den Erhalt von „mobile commons“ (Trimikliniotis et al 2015) kämpfen. Damit verlagert sich die Frage zu den Bedingungen, Kosten und spezifischen soziotechnischen Konfigurationen, die beispielsweise ein Skypegespräch oder die Nutzung von stationären Rechnern in Unterkünften erlauben.

Darauf aufbauend entschied ich mich, meinen Fokus speziell auf das Management von Geflüchteten zu legen und anhand einer Feldforschung in Bremen besser zu verstehen. Während die ersten erscheinenden Studien vor allem auf die Mediennutzung abhoben, folgte ich einer Bewegung des „studying up“ und konzentrierte mich auf jene Akteure, die ich als Hauptverantwortliche für digitale Infrastruktur ausmachen konnte. Nachdem ich die Arbeit der Freifunk-Initative kennenlernte, wurde damit auch rasch die Frage nach Alternativen ein wichtiger Teil meiner Fragestellung. Als ausgebildeter Kommunikations- und Medienwissenschaftler ging es mir auch darum, das Wissen aus kritischer Migrations- und Humanitarismusforschung mit Fragen nach Infrastrukturen aus der interdisziplinären Wissenschafts- und Technikforschung (STS) in Resonanz zu bringen. Als engagierter Wissenschaftler war für mich zuletzt wichtig, auf diese Weise eine soziotechnische Vernachlässigung von Geflüchteten zur Sprache zu bringen, wie sie erst von wenigen AkademikerInnen in diesem Feld zur Sprache gebracht wurde (Farías 2016).

Mit welchen Materialien und Daten arbeiten Sie?

In meiner Forschung habe ich vor allem mit qualitativen Daten gearbeitet, die ich gemeinsam mit den TeilnehmerInnen bei Treffen der Freifunk-Intiative, Besuchen in Unterkünften sowie Gesprächen mit SozialarbeiterInnen oder QuartiersmanagerInnen generiert habe. Meiner Forschungsfrage folgend ging es darum, den Prozess hinter der Installation von freien WLAN-Zugänge zu rekonstruieren und zu analysieren. Neben der Reichhaltigkeit von einzelnen Entstehungsgeschichten habe ich aber auch informelle Gespräche mit Geflüchteten geführt, die soziotechnischen Kontroversen auf der Freifunk Bremen-Mailingliste verfolgt und bei der großen europäischen Hackerkonferenz „Chaos Communication Congress“ in Hamburg den Austausch mit anderen AkademikerInnen und AktivistInnen gesucht.

Gibt es Methoden, Theorien und Tools, welche für diese Aufgabe besonders interessant sind?

Als theoretische Zugänge waren für mich die Arbeiten zu Infrastrukturen in der Anthropologie wie auch STS sehr relevant. Wichtig sind hier Forschungen von Susan Star und Karen Ruhleder (1996), die einen ökologischen und relationalen Zugang zu Infrastrukturen stark gemacht haben. Der Berliner STS-Forscher Jörg Niewöhner (2014) zeigt davon ausgehend auf, dass Infrastrukturen nicht als fixe technische Entitäten, sondern als Prozesse der Infrastrukturierung gedacht werden sollten. Dies war hilfreich für mich, um die Liste von Akteuren, Gegenständen und Praktiken zu prüfen, die für die kontinuierliche Pflege und Instandhaltung von digitaler Infrastruktur notwendig sind. Wegweisend war darüber hinaus des Arbeit des Anthropologen Christopher Kelty, der über mehrere Jahre zu Free Software Bewegungen in verschiedenen Ländern ethnographisch geforscht hat. Neben methodischen Vorgehensweisen (zum Beispiel im Umgang mit IRC, Mailinglisten und den „usable pasts“, jenen Geschichten auf die sich Free Software AktivistInnen immer wieder beziehen), ist sein theoretisches Konzept von freier Software als „rekursiver Öffentlichkeit“ höchst inspirierend. Im Sinne der erwähnten Infrastrukturierung  erscheint hier Free Software nicht mehr als reine Ideologie oder beste technische Lösung, sondern als ein sich ständig wandelndes, experimentelles System (Kelty 2008). Darauf aufbauende Analysen wie von Kubitschko (2015) zeigen zudem die spezielle Stellung von Hackerkollektiven wie dem Chaos Computer Club als zunehmend wichtigere Akteure in der Politisierung von technischen Kontroversen.

Für meine eigene Arbeit war es aber wichtig zu erkennen, dass sich die Freie-WLAN-Öffentlichkeit wie sie Freifunk hervorruft im Bezug auf die Situation von Geflüchtetenunterkünften in einem noch fragileren Zustand befindet. Dabei werden bisher stabilisierte Praktiken wie die der Versorgung oder der kollektiven Wissenserzeugung neu verhandelt. Wiederkehrende Fragen aus meiner Feldforschung drehen sich dabei um die Verantwortung, die einzelne FreifunkerInnen für Unterkünfte tragen wollen und können. Relevante Beispiele sind etwa ob, AktivistInnen für ihren Einsatz entlohnt werden sollten oder auch ob eine Karte von noch nicht vernetzten Unterkünften auf der Freifunk-Seite ein unerwartetes Risiko für die BewohnerInnen darstellen kann.

Wie haben Sie begonnen, sich mit digitalen Geisteswissenschaften zu beschäftigen?

Mit den digitalen Geisteswissenschaften bin ich zunächst über das Feld der STS und speziell den großen kollaborativen Projekten wie An Inquiry Into Modes of Existence (AIME) von Bruno Latour oder auch den Asthma Files von Kim und Mike Fortun in Kontakt gekommen. Durch eine anhaltende Faszination für gemeinschaftliches Arbeiten über Blogs, Social Media-Gruppen und Foren, habe ich immer wieder über die Einrichtung einer kleinen Webseite nachgedacht. Allerdings habe ich schnell entschieden, dass dies den Rahmen einer Bachelorarbeit schnell sprengen würde und die Idee eher für eine Master- oder Doktorarbeit aufgehoben.

Welche Angebote der digitalen Geisteswissenschaften fänden Sie für Ihre Forschungsprojekte in Zukunft besonders hilfreich?

Für zukünftige Forschungsprojekte in diesem Feld würde ich an bestehenden Freifunk-Praktiken wie dem Pflegen von gemeinsamen Wikis (z.B. Umsetzung von Installationen) ansetzen und diese für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich machen. Dazu wäre es spannend, die ManagerInnen von Unterkünften wie auch Geflüchtete selbst mit einzubeziehen. Dieser letzte Punkte ist mir wichtig, da ich der Forderung von MigrantInnen „nichts über uns ohne uns“ nur inoffiziell nachgegangen bin. Zudem sehe ich hier die Möglichkeit, Freifunk-AktivistInnen aus ihrer Verantwortlichkeit als alleinige VersorgerInnen herauszuholen. Im besten Fall kann einer humanitären Logik entgegengewirkt werden, die in vermeintlichen „Krisen“ lediglich eine rasche Bereitstellung von Infrastruktur in den Vordergrund stellt. Stattdessen sollten, und das tut meine Forschung hoffentlich für einen kleinen fachkundigen Kreis, die politischen Implikationen von digitaler Infrastruktur sichtbar gemacht und durch bereits bestehende Alternativen herausgefordert werden.

Weitere Informationen

www.freifunk-hilft.de
www.bremen.freifunk.net
www.timschuetz.eu

Literatur

Farías, I. (2016) STS and Human Drama. European Association for the Study of Science and Technology. https://easst.net/article/editorial-sts-and-human-drama

Kelty, C. M. (2008) Two Bits. The Cultural Significance of Free Software. Duke University Press.

Kubitschko, S. (2015) The Role of Hackers in Countering Surveillance and Promoting Democracy. Media and Communication 3.

Niewöhner, J. (2014) Perspektiven der Infrastrukturforschung: care-ful, relational, ko-laborativ. Schlüsselwerke der Science & Technology Studies (Eds. D. Lengersdorf, M. Wieser), Springer Fachmedien, Wiesbaden.

Trimikliniotis, P.Parsanoglou, D., & Tsianos V. (2015) Mobile Commons. Migrant Digitalities and the Right to the City. Palgrave

Star, S. L. & Ruhleder, K. (1996). Steps toward an ecology of infrastructure: Design and access for large information spaces. Information Systems Research, 7(1), 111–134

DARIAH-DE unterstützt mit digitalen Ressourcen und Methoden arbeitende Geistes- und KulturwissenschaftlerInnen in Forschung und Lehre. Dafür baut das Projekt eine digitale Forschungsinfrastruktur für Werkzeuge und Forschungsdaten auf und entwickelt Materialien für Lehre und Weiterbildung im Bereich der Digital Humanities (DH). DARIAH-DE ist der deutsche Beitrag von DARIAH-EU und arbeitet in diesem Kontext mit einer Vielzahl von europäischen Partnern und Projektverbündeten zusammen.

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